Work Upside Down / Arbeit auf den Kopf gestellt.

scroll down for english

Mit dem Projektschwerpunkt „Arbeit – auf den Kopf gestellt“ intensivieren wir unsere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem „Organismus Arbeit“. Neu- und Umbewertungen dieser stehen im Mittelpunkt der Kooperation mit dem Centrul Cultural Clujean (CCC), RO – zu deren Projekt: The Urban Innovation Unit wir eingeladen wurden. Bereits im Jahr 2019 hatten wir das Vergnügen, uns mit Interessierten aus der Region Cluj mit den Zukünften der Kulturarbeit zu beschäftigen. 2021 geht es weiter.

Arbeit. Seit Dekaden in vieler Munde, seit Jahren um die Facetten der Automatisierung, der Digitalisierung samt „Technologischer Arbeitslosigkeit“ mäandernd, weniger häufig, aber mit steigender Tendenz um die Domäne der „Green Jobs“ angereichert und seit Kurzem vom Begriff der Systemrelevanz dominiert.

Die Lohnarbeit. Die Erwerbstätigkeit. Die Vollbeschäftigung. Die Wertschöpfung von und durch Arbeit – inklusive Wirtschaftsleistung und Wirtschaftswachstum festgeschrieben in Bruttoinlandsprodukten und Bruttoinlandsprodukten pro Kopf. Wirtschaftliche Kennzahlen – ursprünglich eingeführt um die/den Scherben – hervorgerufen durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg – zu verstehen / zu entkommen. Zum Zeitpunkt der Einführung ein sicherlich vernünftiges „Bemessen“ – wobei nur selten preisgegeben, dass bereits damals dessen „Erfinder“ Simon Kuznets davor warnte, diese Kennzahlen als Maßstab für gesellschaftliches Wohlergehen zu interpretieren. Robert Kennedy wurde noch expliziter, meinte in einer Ansprache an der Universität von Kansas im Jahr 1968, dass das BIP alles außer jenem messen würde, was das Leben lebenswert machen würde.

Nicht erst seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie, aber seit diesem nochmal unüberhörbarer, knirscht es im Räderwerk unserer gegenwärtigen Beschreibungen von Wirtschaft samt deren enger Definition von Arbeit. Begonnen hat das Knirschen schon vor langer Zeit. Gut kaschiert halt – seitens der Gewinner*innen profitoptimierter und gewinnorientierter Wirtschaftsgebahren. Produktionsleistungen und Produktionsgewinne steigen, mit ihnen die Ausschüttungen für Dividenden. Was stagniert – und dazu gibt es unzählige Belege und Studien – das sind die Löhne. Die Covid-19-Pandemie es ist, wie erwähnt – und wie in vielen anderen Bereichen unserer gesellschaftlichen Verfasstheit ebenfalls – die zusätzlich Sand ins ohnehin lahmende Getriebe streut. Oder vielmehr schüttet.

Mehr Menschen beginnen zu sehen, dass Arbeit in dessen gegenwertig gängiger Definition ein Vermögens-, Wohlstand-, Einkommens-, Bildungs-, Geschlechter- und Machtungleichheit schaffender und steigernder Faktor ist. Beginnen darüber zu diskutieren, dass es nicht sein kann, dass Pflege-, Haus- und Fürsorgetätigkeiten – stereotypisch als „Frauenarbeit“ abgekanzelt – noch immer ausgeblendet sind in unserer aktuellen Beschreibungen (Berechnungen!) von Wirtschaft. Missbilligend, dass häufig auch Umweltsorgende, Community-stärkende oder schöpferisch-künstlerische Beschäftigungen in der Errechnung nationaler „Wirtschaftsprodukte“ fehlen – herkömmlich damit begründet, dass sie „unproduktiv“ wären, nicht „wertschöpfend“ eben, da sie keine „messbaren Güter“ hervorbringen. Aber ist es nicht offensichtlich, dass Kinder zeugen und erziehen sich nun mal nicht optimieren lässt, dass die Pflege und Fürsorge Bedürftiger sich nicht rationalisieren lässt, oder im Kontext der Kunst als anderes Beispiel das doppelt so schnell gespielte Konzert so rein gar nichts modernisieren würde?

Also – wann wenn nicht jetzt, wäre ein guter Zeitpunkt, dem gesteigerten gesellschaftlichen Bewusstsein ob existierender Missstände gerecht zu werden und auf politischer Ebene Rahmenbedingungen zu schaffen, die diese Mängel zumindest minimieren? Können wir nicht endlich Schluss machen mit dem Fortschreiben und Vertiefen von Ungleichheiten, getrieben durch wahrlich aus der Zeit gefallenen Konzepten und Definitionen von Arbeit? Können wir nicht endlich die eng gefasste Idee von Wertschöpfung sprengen und politisch kräftige Lehren ziehen? Denn – nochmal, Bewusstsein über eklatante und unerträgliche Ungleichheiten (zutage getragen in unzähligen Erhebungen, Studien und deren Analysen) ist das Eine, entscheidend sind aber nunmal die Rahmenbedingungen die geschaffen werden, um diese zu bekämpfen.

Dass es kein Leichtes sein wird diese strukturellen Voraussetzungen zu entwickeln und zu schaffen, ist unbestritten. Dass es dafür der Kooperation sachkundiger Menschen, die gewillt sind, Disziplinen übergreifend zu agieren bedarf, ist gleichfalls gewiss. Sich die Auswirkungen einiger der vorgeschlagenen Veränderungen – von bedingungslosen Grundleistungen oder -Einkommen über Maximaleinkommen hin zum Recht auf Arbeit, von Finanztransaktionssteuern über progressive Einkommenssteuern, bis hin zu Spekulationen mit der Gig Economy auf das alltägliche Leben vorzustellen, ist eine Sache, die wir alle tun können.

Dies ist wesentlicher Bestandteil unserer Herangehensweise im Kontext des Projekts „Work Upside Down“, bei dem wir uns ein Fragment einer “auf den Kopf gestellten Welt” in einer möglichen und vielleicht wünschenswerten Zukunft vorstellen. Denn die Zukunft wird in gewisser Weise auf dem Kopf stehen, und wird der Ort sein, an dem wir alle bald leben werden. Vielleicht hilft uns also eine vernunftvolle Vorstellung davon, wie sie aussehen könnte, dabei, bessere Entscheidungen zu treffen, während wir uns auf sie zubewegen.


With the project focus “Work Upside Down”, we are intensifying our examination of the organism of work. New and re-evaluations of this are the focus of the cooperation with the Centrul Cultural Clujean (CCC) in Vluj, Romaina – to whose project: The Urban Innovation Unit we were invited. In 2019, we already had the pleasure of working with interested people from the Cluj region investigating the future of cultural work. In 2021 we will continue.

Work. It has been on everyone’s lips for decades, meandering for years around the facets of automation, digitalisation and “technological unemployment”, less frequently but with increasing tendency enriched by the domain of “green jobs” and recently dominated by the concept of systemic relevance.

Wage labour. Gainful employment. Full employment. The value added by and through labour – including economic performance and economic growth codified in gross domestic products. These economic indicators were originally introduced to understand and escape from the shambles caused by the Great Depression and World War II. Certainly a sensible “measurement” at the time of its introduction, even though it is rarely disclosed that even then its “inventor” Simon Kuznets warned against interpreting these ratios as a measure of societal well-being. Robert Kennedy was even more explicit, saying in a speech at the University of Kansas in 1968 that GDP would measure everything except what would make life worth living.

Not only since the beginning of the Covid 19 pandemic, but since then even more unmistakably, there has been a grinding in the gears of our current descriptions of the economy and its narrow definition of work. The grinding began a long time ago. Well concealed on the part of the winners of profit-optimised and profit-oriented economic practices. Production output and production profits are rising, and with them the dividend payouts. What is stagnating, and there is countless evidence and studies on this, are wages. The Covid 19 pandemic, here and in many other areas of our social structure, is throwing additional sand into the already sluggish gears. Or rather, pouring it.

More people are beginning to see that work, in its current common definition, is a factor that creates and increases wealth, prosperity, income, education, gender and power inequality. Many begin to discuss that it cannot be that care, domestic and caring activities – stereotypically dismissed as “women’s work” – are still excluded from our current descriptions and calculations of the economy. Disapprove of the fact that environmental care, community-strengthening or creative-artistic occupations are often omitted from the calculation of national “economic products”. Justified by the fact that they would be “unproductive”, in the sense of non-measurable goods at the end of the production chain, and are therefore not value-adding. But isn’t it obvious that producing and raising children cannot be optimised, that caring for the needy cannot be rationalised, or that in the context of the arts, for example, a concert played twice as fast would not improve anything?

So when, if not now, would be a good time to do justice to the increased social awareness of existing shortcomings and to create framework conditions at the political level that at least minimise these shortcomings? Can we not finally put an end to the perpetuation and deepening of inequalities, driven by truly outdated concepts and definitions of work? Can’t we finally explode the narrow idea of value creation and learn politically powerful lessons? Because – once again – awareness of glaring and intolerable inequalities (brought to light in countless surveys, studies and their analyses) is one thing, but what is crucial is the framework conditions that are created to combat them.

It is not easy to develop these policies and political framework, for this is the job of politicians and economists, sociologists and other knowledgeable people involved in the analysis of work. However imagining the implications of some of the proposed changes, from UBI to guaranteed jobs, from financial transaction taxes to gig economy speculations, upon everyday life, is the sort of thing that we can all do. This is part of our work on the Work Upside Down project, where we imagine a fragment of a “World Turn’d Upside Down” in a possible and perhaps preferable future. For the future will be upside down, in some senses, and it is the place we all will be living in soon enough. So perhaps having some decent imaginations of what it might look like will help us make better decisions as we move towards it.

1 Comment

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s