Clean Cargo – Lunch Sessions / vorher, nacher und währenddessen

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Was vor den Lunch Sessions – Clean Cargo Applied (abgehalten Mitte Oktober 2020) – geschah.

Clean Cargo – „die saubere Fracht“ ist ein Thema mit dem sich Time’s Up seit geraumer Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschäftigt. Wann genau und wodurch ausgelöst das Interesse und damit die Auseinandersetzung mit dem Themenschwerpunkt einsetzte lässt sich nicht mehr ganz konkret rekonstruieren. Tatsache (weil so auch genau in diesem Loose Diary bereits festhalten!) ist, dass mit Sicherheit im Kontext des paneuropäischen Projektes “Changing Weathers” bereits eine umfangreiche Beschäftigung Fuss gefasst hatte. (Siehe frühe Einträge in der Category ChangingWeathers)

Mehrwöchige “Transiencies – Residenzen in Bewegung“- erlaubten uns damals durch Besuche, Interaktionen und Interviews mit engagierten Akteurinnen und Praktikerinnen alternativer, fossil-freier Warentransport-Systemen erste Einblicke in Handels- und Lieferketten, die sich abseits der konventionellen Transportindustrie bewegten, zu sammeln.

Zusammengetragene Informationen, Anekdoten, Geschichten und Erkenntnisse flossen weiterführend in erste Versionen & Grundsteine von Turnton 2047, wurden eingeflochten in die Initiative für die Gründung einer “Shipping-Company” – welche wiederum Ausgangsbasis für eine Reihe von praktischen Experimenten in den vergangenen Monaten war – dem Clean Cargo Donau Projekt – einem Versuch in Kooperation mit existierenden, lokalen Kleinbetrieben und Bauern Lebensmittel mit Schiff & Fahrrad entlang der Donau zu verteilen. Sie waren auch Ausgangspunkt für Diskussionsveranstaltungen wie unter anderem “Trade, Water and Transport“: klare Vorgänger*in der aktuellen “Clean-Cargo Lunch-Sessions” und gleichfalls inspiriert durch die Feldforschungen im Zuge von Changing Weathers.

Inzwischen sind es also Jahre in denen wir Erfahrungsberichte, Datenerhebungen und Informationen bezugnehmend auf den internationalen Handel samt einhergehender Produktion-, Transport- und Abfallprozesse – aus unterschiedlichen Quellen sammeln, verfolgen und für die Integration in künstlerische Projekte von Time’s Up interpretieren.

Unabhängig davon ob man nun Rose George’s Werk “90% of Everything / Inside Shipping” liest (einen schnelleren Einblick in ihre Erfahrungen und Erkenntnisse als sie für fünf Wochen in einem Transportschiff eincheckte erhält man hier: “Inside the secret shipping industry“), Dokumentationen schaut (exemplarisch für viele hier zwei Beispiele: “Seeblind – Der wahre Preis der Frachtschifffahrt” & “The True Cost” – Auswirkungen von Fashion auf Menschen und den Planeten) oder auch “nur” in die “Erfolgsgeschichte der Containerisation” eintaucht – ein zu ziehender Schluss scheint zweifelsfrei: Gegenwärtige Handelstechniken und -abkommen samt umfangreicher Deregulierungsmaßnahmen von Märkten und Preisen haben schwerwiegende und verheerende natur- und menschheitsschädigenden Konsequenzen.

Eine von ökologischer Nachhaltigkeit und solidarischer Ökonomie exorbitant weit entfernte Transportlogistik ist in hohem Maße das Getriebe eines globalisierten Gütertransports – der uns Konsument*innen bringt, was wir scheinbar täglich brauchen….

Was Jahre nach den Lunch Sessions – Clean Cargo Applied (abgehalten Mitte Oktober 2020) geschehen sein wird.

Was in der Zukunft geschehen wird, hat oft damit zu tun, wie wir im hier und jetzt denken, reden und welche Konsequenzen wir daraus ziehen, um positive Veränderung zu erreichen. In einem von uns entwickelten Zukunftsszenario hat die Gesellschaft genau das getan.

Zeitlich befinden wir uns im Jahr 2047, geografisch bewegen wir uns am Stadtrand einer in Nähe des Meeres gelegenen, nicht weiter lokalisierten kleinen Stadt namens Turnton.

Wir wandeln in einer Zeit, in welcher die verheerenden Langzeitwirkungen der Umweltverschmutzung und deren einhergehende Erschütterung des Naturhaushaltes den globalen Alltag dominieren. Schadstoffbelastungen und Altlasten vergiften Böden und Gewässer, ganze Ökosysteme kollabieren, Ozeane bedrohen alles Leben mit größer werdenden toten Zonen und umweltbedingte Gesundheitsschäden sowie Todesfälle mehren sich bedenklich. Die bis Mitte der 2020er Jahre politisch nur zögerlich bekämpfte, häufig ignorierte teils gar negierte globale Erwärmung wütet mit weltweiten Wetterextremen, erheblichen klimatischen Veränderungen und verunmöglicht durch Überflutungen, Dürren und Stürme samt stetigem Anstieg des Meeresspiegels die Lebensraumnutzung großflächiger Landstriche und Küstengebiete.

Change Was Our Only Chance

Die Folgen der rücksichtslosen Eingriffe der Menschheit in über Millionen von Jahren entstandene, ökologische Systeme treiben die Welt und deren Bevölkerung um. Dieses ökologisch-dystopische Bild des Jahres 2047 bereichern wir mit einer sozial-ökonomischen Utopie. Kontern und unterwandern die Umweltkatastrophen samt gesellschaftlicher Konsequenzen mit der wachsenden Verschmelzung einer Fülle von bereits im Jetzt existierenden Gegenpositionen, die in den nächsten Dekaden einen zivilisatorischen Wandel zum Besseren vorantreiben.

Was während der Lunch Sessions – Clean Cargo Applied (abgehalten im Oktober 2020) – geschehen ist

Erwähnte existierende Gegenpositionen – samt die Änderungsvorschläge mit umfangreichem Transformationpotential existieren bereits im Heute. Manche davon dienen uns als Basis mit Signalcharakter für manche der Projektionen die wir einschreiben in besagte Welt von Turnton.

Im Zuge der im Oktober 2020 aufgenommenen “Lunch-Sessions” haben wir exemplarisch drei Themenkreise herausgegriffen die uns bestenfalls verleiten mit Bedacht und aktiv unser Konsumverhalten im Heute zu verändern.

Videomitschnitte der drei Sessions
Session mit Lucy Gilliam – Transport & Environment (T&E) – Emissionen in der maritimen Industrie

Lucy gab einen übergeordneten Einblick in die Zusammensetzung und auch die Aktivitäten von Transport & Environment – einer Dachorganisation mit 61 NGO-Mitgliedsorganisationen aus ganz Europa und Mitbegründer der Clean Shipping Coalition, einer Koalition mit Beobachterstatus bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), jener UN-Agentur, die für die Regulierung der weltweiten Schifffahrt zuständig ist. Sie gab einen Einblick in das Zahlenmaterial – erschütterte damit auf Neue. Erlaubte aber auch optimistischer stimmendere Ausblicke in Transport-Alternativen als auch plausible Schritte, die nötig sind um den maritimen Sektor zu dekarbonisieren.

Session mit Gertrude Klaffenböck -Die Clean Clothes Kampagne

Beim Mittagessen mit Gertrude Klaffenböck stand die Kleidung im Mittelpunkt. Als Pressesprecherin der Clean Cloth Campaign – Österreich konnte sie uns einen guten Einblick in herkömmliche Produktionswege und -bedingungen von einzelnen Kleidungsstücken geben. Auch hier macht sich immer wieder Entsetzen breit, bekommt man die Fakten entlang einer traditionellen Modeindustrie so kompakt vor Augen geführt. Aber auch in diesem Bereich durften wir durch Gertrudes Fachwissen erfahren, wie und wo sich Auswege finden lassen.

Session mit David Uitz – Solidarische Landwirtschaft

Die Reise in die solidarische Landwirtschaft angetreten hat David Uitz (gemeinsam mit mehreren Kompliz*innen) um der Frage nachzugehen, ob denn die aktuelle Forderung nach dem “guten Essen für alle” denn überhaupt und vor allem wie Folge geleistet werden kann. Mit Initiativen wie “Gmias” – die aktuell 40 Einheiten – respektive Abnehmer*innen beliefert oder auch mit “Fruits of Solidarity” sind die Fragen zwar noch nicht final beantwortet, aber – und darum geht es nun mal auch in unserer Suche nach “Alternativen & Visionen” die ein besseres Leben für Alle anstelle von nur wenigen erlauben – Annäherungen sind es allemal.


Time’s Up wird unterstützt durch das BMKOESLinz KulturLand OÖ und die Linz AG. Clean Cargo ist Teil von Curiouser and Curiouser, cried Alice: Rebuilding Janus from Cassandra and Pollyanna (CCA) ist ein kunstbasiertes Forschungsprojekt des Instituts Design Investigations an der Universität für Angewandte Kunst Wien und Time’s Up. CCA wird vom Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK) des Austrian Science Fund (FWF): AR561 unterstützt.


ENGLISH-VERSION

What happened before the lunch sessions – Clean Cargo Applied (held in mid-October 2020)

Clean Cargo is a topic Time’s Up has been dealing with from different angles for quite some time. It is not possible to reconstruct exactly when and how the interest in the topic was triggered and thus the discussion of the main topic began. The fact (because this is exactly what is written in this Loose Diary!) is, that in the context of the pan-European project “Changing Weathers” an extensive occupation had already been established. (See early entries in the category Changing Weathers)

Transiencies – Residencies on the Move“, which lasted several weeks, allowed us to gain initial insights into trade and supply chains that moved away from the conventional transport industry through visits, interactions and interviews with committed actors and practitioners of alternative, fossil-fuel-free goods transport systems.

The information, anecdotes, stories and insights gathered were then incorporated into the first cornerstones of Turnton 2047, and were incorporated into the initiative for founding a “Micro Shipping Company” – which in turn was the starting point for a series of practical experiments in recent months – the “Clean Cargo Danube Project” – an attempt to distribute food by ship and bicycle along the Danube in cooperation with existing local small businesses and farmers. They were also the starting point for discussion events such as “Trade, Water and Transport“: clear predecessors in the current one and also inspired by the field research in the course of Changing Weathers.

These are years in which we have been collecting, tracking, and interpreting reports, data, and information from various sources about international trade and its production, transportation, and waste processes for integration into Time’s Up’s artistic projects.

Regardless of whether you read Rose George’s work “90% of Everything / Inside Shipping” (a quicker insight into her experiences and insights than when she checked into a transport ship for five weeks can be found here: “Inside the secret shipping industry“, documentation (for many, here are two examples: “Seeblind – The True Cost of Cargo Shipping ” & The True Cost” – Effects of Fashion on People and the Planet) or even “only” plunges into the “success story of containerization” – one conclusion seems to be beyond doubt: Current trade techniques and agreements including extensive deregulation of markets and prices have serious and devastating consequences that are harmful to nature and humanity.

Transport logistics, which is exorbitantly far removed from ecological sustainability and solidarity-based economy, is to a large extent the gear of globalized goods transport – which brings us consumers what we seem to need every day….

What will have happened years after the Lunch Sessions – Clean Cargo Applied (held in mid-October 2020)

What will happen in the future often has to do with how we think and talk about things here and now and what consequences we draw from this to achieve a positive transformation. In a future scenario developed by us, society has done exactly that.

Temporally we are in the year 2047, geographically we are on the outskirts of a small town called Turnton, which is located near the sea but is not further localized.

We are roaming within a time in which the devastating long-term effects of environmental pollution and its concomitant disruption of the balance of nature dominate everyday life globally. Pollution and contaminated sites are poisoning soils and waters, entire ecosystems are collapsing, oceans are threatening all life with growing “dead zones”, and environmental damage to health and ensuing deaths are increasing alarmingly. Global warming, which until the mid-2020s was only hesitantly combated politically, often ignored or even negated, is raging with worldwide weather extremes and considerable climatic changes, making the use of large areas of land and coastal regions impossible due to floods, droughts and storms, as well as the constant rise in sea level.

The consequences of mankind’s ruthless interventions in ecological systems that have evolved over millions of years are upsetting the world and its population. We enrich this ecological dystopian picture of the year 2047 with a social-economic utopia. Counter and undermine the environmental catastrophes including their social consequences with the growing fusion of a wealth of already existing counter positions that will drive a civilizing change for the better in the coming decades.

What happened during the lunch sessions – Clean Cargo Applied (held in October 2020)

Existing opposing positions mentioned above – including the proposed changes with extensive transformation potential – already exist today. Some of them serve us as a basis with signal character for some of the projections we inscribe into the aforementioned world of Turnton.

In the course of the “Lunch-Sessions”, which were recorded in October 2020, we have picked out three exemplary topics that at best tempt us to change our consumer behavior in the present in a deliberate and active way.

Session with Lucy Gilliam – Transport & Environment (T&E) – Emissions in the maritime industry

Lucy gave an overall insight into the composition and also the activities of Transport & Environment – an umbrella organization with 61 NGO member organizations from all over Europe and co-founder of the Clean Shipping Coalition, a coalition with observer status at the International Maritime Organization (IMO), the UN agency responsible for regulating global shipping. She gave an insight into the figures – thereby shaking them anew. But it also allowed a more optimistic outlook on transport alternatives and plausible steps that are necessary to decarbonize the maritime sector.

Session with Gertrude Klaffenböck – The Clean Clothes campaign

At lunch with Gertrude Klaffenböck, the focus was on clothing. As press spokeswoman of the Clean Clothes Campaign – Austria she was able to give us a good insight into conventional production methods and conditions of individual garments. Again and again horror is expressed when the facts along a traditional fashion industry are presented so compactly. But also in this area we were able to learn from Gertrude’s expertise how and where ways out can be found.

Session with David Uitz – Solidary agriculture

David Uitz (together with several accomplices) started the journey into solidarity agriculture to investigate the question whether the current demand for “good food for all” can be met at all and, above all, how it can be met. With initiatives such as “Gmias” – which currently supplies 40 units – or customers, or with “Fruits of Solidarity” the questions are not yet finally answered, but – and this is what our search for “Alternatives & Visions” is all about, which allow a better life for all instead of just a few – there are always approaches.


Curiouser and Curiouser, cried Alice: Rebuilding Janus from Cassandra and Pollyanna (CCA) is an artbased research project from Design Investigations (ID2) at the University of Applied Arts Vienna und Time’s Up. It is supported by the Programme for Arts-based Research (PEEK) from the Austrian Science Fund (FWF): AR561.

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